Ist luzides Träumen gefährlich?

Ist luzides Träumen gefährlich?

Viele Menschen, die sich zum ersten Mal mit dem Klarträumen auseinandersetzen stellen sich die Frage, ob luzides Träumen denn auch gefährlich werden kann. In Foren werden dann ganz verrückte Theorien aufgestellt, die teilweise fast schon amüsant sind. Ob das Klartraumen wirklich schädlich ist, dem wollen wir heute mal auf den Grund gehen.

Die Theorien

Die Ideen, was am Klarträumen alles schädlich sein kann, decken ein ganzes Portfolio ab: Horrorvorstellungen wie, dass man in seinen eigenen Träumen gefangen bleiben kann oder dass man im Traum schlimme Schicksalsschläge vorhersieht tauchen dann öfters mal auf. Und nehmen wir durch das luzide Träumen dem Körper nicht die Zeit, die er zur Erholung vom Tag braucht? Nikolas und Thomas von KlareTraeume und greifen in ihrem Video das Gerücht auf, dass der Klartraum-Experte Paul Tholay einmal von einer Leiter gesprungen sei, weil er dachte er träume. Kann es also jedem passieren, dass er nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden kann?

Klar ist: schon kurz vor dem Eintritt in einen Traum kann es vorkommen, dass Oneironauten beängstigende Dinge wahrnehmen. Ich spreche hier von Hypnagogien und auch vom Einsetzen der Schlafparalyse.

Hypnagogien können sich auf unspektakuläre Weise, wie durch ein schwarz-weiß Rauschen, Töne oder auch ein Jucken äußern. Sie können aber auch in Form von Gesichtern, Umrissen, Stimmen oder sogar einem Fallgefühl auftreten. Ebenso oft wird ein „Vibrieren“ des Körpers beschrieben. Es soll sogar Menschen geben, die Dinge sehen, die überhaupt nicht da sind, zum Beispiel Spinnen oder ähnliches. Sollten sich solche Erscheinungen zeigen, können gerade Klartraum-Anfänger schnell Angst bekommen, obwohl die Hypnagogien natürlich völlig harmlos sind.

Noch beängstigender kann sich die Schlafparalyse, auch Schlafstarre genannt, zeigen. Charakteristisch für ihr Auftreten ist das Gefühl sich nicht mehr bewegen zu können. Mache Klarträumer berichten sogar von einem Gefühl der Atemnot, das sie dann aufwachen lässt. Da ist es verständlich, dass man in vielen Foren von Klarträumern lesen kann, die die Schlafparalyse fürchten. Trotz des Wissens im Hinterkopf, dass die Schlafparalyse eine natürliche Schutzfunktion des Körpers ist, um sich beim Träumen nicht selbst zu verletzen, ist es nicht immer leicht solche Empfindungen völlig emotionslos hinzunehmen.

Doch egal wie man es dreht und wendet, eins steht fest: Hierbei handelt es sich immer nur um Gefühle oder Halluzinationen, die spätestens beim Aufwachen verschwinden und für den Klarträumer vollkommen ungefährlich sind.

Regeneriert mein Körper im Klartraum?

Doch wie verhält sich das mit der Regeneration? Schließlich schlafen wir ja, damit sich unser Körper von den Strapazen des Tages erholen und Energie für den neuen Tag tanken kann. Ist es nicht gefährlich wenn wir in diesen Prozess der Erholung bewusst durch das Klarträumen eingreifen?

Die Antwort: Nein. Wissenschaftler haben in Schlaflaboren festgestellt, dass während eines luziden Traumes die Regeneration des Körpers vollkommen identisch wie zu einem Trübtraum abläuft. Solltest du nach einer Nacht mit Klarträumen wirklich einmal müder sein als normal, dann hat das wahrscheinlich eher mit Dingen wie einem WBTB zu tun, als mit dem Klarträumen an sich.

Im Traum gefangen?

Das nächste Gerücht: im Traum gefangen sein und den Rest seines Lebens im Klartraum verbringen. Völliger Blödsinn! Egal ob wir nun Trüb- oder Klarträumen, eins steht fest: Irgendwann werden wir aufwachen und spätestens dann ist auch unser Klartraum vorbei. Es gibt zwar das Phänomen des „falschen Erwachsens“, bei dem man träumt, dass man aufwacht, aber das führt schlimmstenfalls dazu, dass man aus seinem Klartraum gerissen wird. Dass man im Klartraum gefangen sein könnte, dieses Phänomen taucht auch im Film Inception auf. Allerdings ist so etwas in der Realität schlicht nicht möglich. Hier musst du dir also keine Sorgen machen.

Im Traum gefangen
Immer wieder höre ich das Ammenmärchen, man könne im Traum gefangen sein und nicht mehr aufwachen: völliger Quatsch (Fotalia)

Machen Klarträume süchtig?

Nächster Inception-Mythos: Kann Klarträumen süchtig machen?? Auch hier tendiere ich stark zu: NEIN. Klar, in so einem luziden Traum kann man (mehr oder weniger) machen, was man will. Dass dadurch jede Menge Glücksgefühle entstehen, die schnell zu einer psychischen Abhängigkeit führen, scheint gar nicht so weit hergeholt, schließlich basiert das Abhängigkeitspotential von schweren Drogen genau darauf.

Trotzdem habe ich noch nie von jemandem gehört, der „süchtig“ nach luziden Träumen ist. Im Gegensatz zur Wirkung von Drogen kann man das luzide Träumen auch nicht auf Knopfdruck herbeiführen. Hinzu kommt, dass nicht jeder Klartraum absolut stabil ist und immer genau das passiert was man sich wünscht. Sich vor einem Abhängigkeitspotential von Klarträumen zu fürchten halte ich deswegen für unnötig.

Kann man irgendwann nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden?

Vorher habe ich das Gerücht über Paul Tholey angesprochen. Er habe sich so intensiv mit Klarträumen beschäftigt und diese hätten so sehr sein Leben bestimmt, dass er irgendwann nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden haben könne. Auch hier kann ich dich beruhigen: Selbst wenn du jede Nacht klarträumen würdest, wärst du in der Lage die Realität als solche vom Traum unterscheiden zu können. Spätestens, wenn du einen Reality Check durchführst sollte dir klar werden, ob du gerade träumst oder nicht.

Vom luziden Träumen abraten kann ich nur, wenn man unter schweren Depressionen leidet. Zumindest sollte man sein Vorhaben mit einem Arzt absprechen, denn in solchen Fällen  können Klarträume die psychischen Probleme verstärken.

Fazit

Luzides Träumen ist (fast) völlig ungefährlich. Im Gegenteil: In den Schlaflaboren dieser Welt wurde in verschiedenen Studien festgestellt, dass viele Klarträumer sich ausgeglichener und entspannter fühlen und eine bessere Selbsterkenntnis besitzen. Warum dann das Wörtchen „fast“? Es gibt ein paar Fälle, in denen das Klarträumen zu Erlebnissen geführt hat, die die Person vielleicht lieber vermieden hätte.

Sollte jemand so weit gehen und zum Beispiel im Traum gewonnene Erkenntnisse auf die Realität übertragen und sich selbst oder anderen dadurch Schaden zufügen, ist dies sicher eine negative Konsequenz des Träumens. Allerdings können solche Dinge natürlich auch im Trübtraum ausgelöst werden und sind nicht nur mit dem Klartraum in Verbindung zu bringen. Wer also über eine stabile Psyche verfügt, der muss keinerlei Ängste vor dem Klarträumen haben.

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